Zum Thema Brot in der Ernährung, 30. Aug 2015

Getreide macht nicht dumm, sondern schlau!

Warum die Thesen des Buches „Dumm wie Brot“ keiner wissenschaftlichen Überprüfung Stand halten…

Die These, das Brot dumm macht, wird für Dich ebenso abstrus klingen, wie sie ist. Doch es gibt tatsächlich einen Arzt in den USA, der diese vertritt. Der Mann heißt David Perlmutter und er hat ein Buch namens „Brain Grain“ verfasst, das es in den USA in die Spitze der Bestsellerlisten geschafft hat. Auch der deutsche Ableger mit dem Titel „Dumm wie Brot“ – leider ebenfalls ein Bestseller – stellt einen Schlag ins Gesicht all jener Menschen dar, die gerne Brot, Reis oder Nudeln essen, gelegentlich Saft trinken und sich ab und zu ein Bier gönnen. Gehörst Du dazu, lieber Brotfreund? Dann würdest Du bei den Testfragen in besagtem Buch, mit dem Du das Risiko für einen „massiven geistigen Abbau“ ermitteln kannst, schlecht abschneiden und müsstest lesen, dass Du „ernsthafte neurologische Probleme“ riskierst.

Der Autor schießt mit seinen Thesen sogar über andere Prediger einer kohlenhydratarmen Ernährung hinaus. Jetzt machen Getreide wie z.B. Weizen nicht nur dick, sondern schädigen sogar das Gehirn! Seine Formulierungen hierzu sind drastisch: „Modernes Getreide zersetzt das Gehirn“ und das Weizeneiweiß Gluten könne als „stummes Virus“ bleibende Schäden verursachen, „ohne dass wir davon wissen“. Mit seiner gewagten These gibt der Autor sich alle Mühe, Angst und Schrecken zu verbreiten: Die kohlenhydratreiche, fettarme Kost, die in westlichen Ländern empfohlen wird, sei schädlich. Sie erhöhe das Risiko für Erkrankungen wie Migräne, Depressionen, ADHS und sogar Alzheimer dramatisch. Seine Selbsttest-Fragen im Buch sind so formuliert, dass nahezu jeder Brotfreund zum Hochrisikokandidaten wird und verängstigt weiterliest. Angst ist höchst ungesund. Insofern muss befürchtet werden, dass besagtes Buch das Hirn eher schädigt als der „böse“ Weizen.

In einer Zeit, in der die Menschen aufgrund vieler angstmachender Berichte ohnehin derart verunsichert sind, dass sie Lebensmittel als potentielle Gesundheitsrisiken betrachten, trifft auch David Perlmutter seine Leser ins Mark, zumal er im wissenschaftlichen Gewand daher kommt und auf nahezu jeder Seite namhafte Wissenschaftler zitiert. Bei genauer Betrachtung erkennt man jedoch das „haarsträubende Durcheinander“ von Perlmutters Beweisführung, wie ein gut recherchierter Beitrag in der ZEIT bestens zusammenfasst: „Er vermischt altbekannte Wahrheiten mit Spekulationen, wählt Studien selektiv aus, dramatisiert Ergebnisse, zieht falsche Schlüsse und dekoriert all das mit Anekdoten von seinen Patienten, die nach glutenfreier Diät auf wundersame Weise geheilt worden seien.“[1] In der Folge attestiert auch die ZEIT dem Buch „falsche Verallgemeinerungen“ und merkt an, dass der Autor „aussagekräftige wissenschaftliche Befunde zugunsten seiner einfachen Wahrheiten“ unterschlägt.

Auch Professor Dr. Detlef Schuppan, der als führender Forscher auf dem Gebiet der Weizenunverträglichkeit in den USA und in Deutschland gilt, hat hierzu eine sehr deutliche Meinung: „Deshalb sind pseudowissenschaftliche Bücher zum Thema Weizen nicht zu empfehlen. William Davis, der Autor von „Weizenwampe“, ist Kardiologe und schreibt über metabolische Prozesse und insbesondere den Gastrointestinaltrakt. Ein weiterer Bestsellerautor ist ein Neurologe, David Perlmutter, der „steile“ Hypothesen zur ursächlichen Rolle von Weizen bei sogenannten neurodegenerativen Erkrankungen (z.B. Alzheimer oder Demenz) aufstellt. Beide Autoren konnten ihre Theorien bisher allerdings nicht wissenschaftlich belegen. (…) Für über 90 Prozent der Bevölkerung ist Weizen wahrscheinlich nicht schädlich.“[2]

Die Skandalbücher zu Weizen bauen stets auch auf den Placebo-Effekt. Denn wer nach der Lektüre Angst hat, Brot oder Nudeln würden ihm schaden, könnte tatsächlich Ängste oder Kopfschmerzen bekommen, wenn er diese verzehrt. Noch ungesünder könnte es aber für jene Leser werden, die Perlmutters Diätvorschlägen folgen. Denn zu den Lebensmitteln, die man „ohne Bedenken essen“ darf, zählt er u.a. auch Rindfleisch. Dabei ist wissenschaftlich bewiesen, dass die tägliche Aufnahme von 250 Gramm rotem Fleisch das Risiko für einen Krebs- oder Herztod um rund ein Viertel gegenüber jenen Menschen erhöht, die nur 150 Gramm rotes Fleisch täglich verzehren.[3]

Dir, lieber Brotfreund, sei nochmals empfohlen, nicht jedem Ratgeber zu folgen und deine Ernährung nicht ohne ernsthafte Erkrankung umzustellen. Das Prinzip „ausgewogene Mischkost“ mit hohem Getreideanteil ist und bleibt nach Ansicht sämtlicher seriösen Ernährungswissenschaftler die beste Ernährungsform von allen für Dich.

„Dümmer als Brot“. Bericht in der ZEIT Nr. 17/2014. Online verfügbar unter http://www.zeit.de/2014/17/perlmutter-bestseller-dumm-wie-brot (abgerufen am 11.5.14).

Publiziert im Internet unter http://www.mein-allergie-portal.com/allergie-news/zoeliakie-glutenfrei/417-ati-ein-faktor-bei-zoeliakie-und-weizensensitivitaet (abgerufen am 15.02.2015)

„Gefährliches Fleisch“. Aus Zeit online, siehe http://www.zeit.de/online/2009/14/rotes-fleisch-risiko (abgerufen am 11.5.14).