Zum Thema Brot in der Ernährung, 18. Aug 2015

Weizenallergie und Wahrheit

Warum viel weniger Menschen eine Weizenallergie haben als man so hört…

Keine Frage: Es gibt in der Tat Menschen, die den Weizen nicht vertragen. Dabei handelt es sich jedoch in den seltensten Fällen um eine Weizenallergie. Deren Nachweis ist nur durch den serologischen Nachweis eiweißspezifischer Antikörper möglich. Nach Schätzungen sind lediglich 0,1 – 0,5 % der Bevölkerung in Deutschland hiervon betroffen. Diese Menschen sollten auf Weizen verzichten, können sich jedoch problemlos mit anderen Getreidearten wie z.B. Roggen, Gerste und Hafer ernähren. Auch Urweizenformen wie z.B. Einkorn, Emmer oder Dinkel werden oftmals gut vertragen.

Von der Weizenallergie zu unterscheiden ist das Krankheitsbild der Zöliakie, die oft durch genetische Disposition, also durch eine erbliche Veranlagung entsteht. Sie wird zuweilen auch „Glutenunverträglichkeit“ genannt. Hier sind es die Eiweiß-Stoffwechselprodukte des Weizens, maßgeblich aus dem Eiweiß Gluten, welche im Darm größte Beschwerden verursachen und daher lebenslang zu meiden sind. Die Diagnose von Zöliakie ist nur mit einer Dünndarmbiopsie möglich. Diese Erkrankung ist allerdings recht selten. Nach Schätzungen sind nur 0,1 % – 1 % der Bevölkerung hiervon betroffen.

Menschen mit Zöliakie müssen sämtliche glutenhaltigen Getreide lebenslang meiden, darunter Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel und Hafer. Die Alternative sind glutenfreie Getreidearten wie Mais, Reis, Hirse, Buchweizen oder die so genannten Pseudo-Getreidearten Amarant und Quinoa. Weil Weizenprodukte wie z.B. Weizenstärke häufig auch als Bindemittel in anderen Lebensmitteln verwendet werden, ist bei der Ernährung größte Vorsicht geboten. Es gibt inzwischen jedoch eine ausreichende Vielfalt an glutenfreien Nahrungsmitteln. So haben sich manche Bäckereien auf die Herstellung von speziellen Backwaren spezialisiert. Der hohe Grenzwert von maximal 20 mg je Kilogramm Brot stellt hohe Anforderungen an die Herstellung. Die abwechselnde oder gar gemischte Herstellung von glutenhaltigen und glutenfreien Backwaren in den gleichen Räumen ist selbst bei gründlichster Reinigung aller Geräte und penibelster Hygiene kaum möglich.

Neben der Weizenallergie und der Weizenunverträglichkeit – beides wie geschildert überaus seltene Krankheitsbilder – gibt es ein drittes Krankheitsbild im Zusammenhang mit Weizen, welches von einer internationalen Expertengruppe erst im Dezember 2012 definiert wurde: die Weizensensitivität. Sie umfasst alle Arten von Beschwerden bei der Aufnahme von Weizen, die nicht auf einer Weizenallergie oder eine Zöliakie beruhen, wird also im Ausschlussverfahren diagnostiziert. Als Therapie erfolgt zunächst eine glutenfreie Ernährung. Ist diese erfolglos, muss nach anderen Unverträglichkeiten, z.B. auf das Milcheiweiß Laktose, gesucht werden.

Nach Schätzungen von Experten sind 2 – 3 % der Bevölkerung von einer Weizensensitivität betroffen. Menschen mit diesem Krankheitsbild müssen im Gegensatz zu jenen mit einer Zöliakie nicht zwingend lebenslang auf Weizen verzichten. Nach einer strikt glutenfreien Ernährung werden häufig wieder kleinere Mengen Weizen vertragen, so dass die gelegentliche Aufnahme möglich wird. Dies erhöht die Lebensqualität enorm, etwa bei Einladungen zum Abendessen oder beim Restaurantbesuch. Hier gilt es, einen individuellen Schwellenwert zu ermitteln, der gut vertragen wird.

Aus einer Studie des Gastroenterologisten Peter Gibson ergibt sich die Vermutung, dass Unverträglichkeiten wie z.B. gegen Gluten teilweise psychische Ursachen haben können.[1] Die Gründe dafür beobachtet man schon im Kindergarten. Denn Kinder mit vermuteten Nahrungsmittelunverträglichkeiten stehen bei der Essensaufnahme (aus gutem Grund) unter besonderer Aufmerksamkeit der Erzieher. Statt dem normalen Essen bekommen Sie besondere Nahrung – nur für sie! Dies inspiriert oft andere Kinder, die ja ebenfalls etwas Besonderes sein möchten. Auch bei Erwachsenen steigt die Zahl der „sensiblen Esser“, die kulinarische Empfindlichkeiten als Ausweis von Individualität vor sich her tragen.

Fest steht, dass nur eine Minderheit Weizen nicht verträgt. Die meisten Deutschen können ihre gewohnten, lieb gewonnenen Lebensmittel aus Weizen völlig beschwerdefrei und mit gutem Gewissen genießen. Dies gilt nach Einschätzung verschiedener Experten für mindestens 90 – 95 % der deutschen Bevölkerung.[2][3] Dies relativiert die von den Medien immer wieder geschürte Angst vor Weizen doch sehr.

Quelle: RealClearScience.com http://goo.gl/KTV5TJ (abgerufen am 18.05.2014)

Quelle: Dr. Walburga Dieterich von der Arbeitsgruppe Pathophysiologie der Zöliakie an der Universität Erlangen, aus dem Mehlreport Nr. 22 (Februar 2013), Herausgeber: Verband Deutscher Mühlen e.V.

Publiziert im Internet unter http://goo.gl/GvfTwG (abgerufen am 15.02.2015)