Zum Thema Brotmarkt, 18. Aug 2015

Was Biokraftstoffe mit Brot zu tun haben

Warum der Griff zur falschen Zapfsäule aus moralischer Sicht einen Fehler darstellt…

Im Jahr 2011 wurden weltweit 60-70 Millionen Hektar Ackerfläche für den Anbau von Energiepflanzen genutzt.[1] Nach Berechnungen des Deutschen Bauernverbandes dienen 7 % des Weltgetreideverbrauchs (150 Millionen Tonnen) zur Verwendung von Biokraftstoffen, dazu auch 10 % des globalen Pflanzenölvorkommens (in der EU sogar 35 %) und 30 % des weltweit erzeugten Zuckers.[2]

In Deutschland gab es im Jahr 2013 rund 11,9 Millionen Hektar Ackerfläche.[3] Auf 2,4 Millionen Hektar (20,2 %) davon werden schon Energiepflanzen wie Mais, Raps und Getreide für Biodiesel und Ethanol angebaut, Tendenz steigend.[4] Diese moralisch höchst bedenkliche Form der Energiegewinnung macht sich längst beim Getreidepreis bemerkbar. Denn mit 100 Kilo Getreide kann man heute 40 Liter Öl ersetzen. Aufgrund dessen orientiert sich der Getreidepreis, der früher eigenständig an den Märkten ermittelt wurde, heute am Ölpreis.

Die meisten Revolutionen in der Weltgeschichte entstanden aufgrund von Hunger, zuletzt die sogenannte Jasmin-Revolution 2010/2011 in Tunesien und China. Das Motiv auch hier: steigende Preise für das tägliche Brot. Man weiß heute, dass diese Proteste in letzter Konsequenz durch die alternative Nutzung von Ackerflächen mit Energiepflanzen bzw. die damit verbundenen Preissteigerungen beim Getreide ausgelöst wurde. Ist das ökologisch? Gewiss nicht.

Wer diesen Gedanken zu Ende denkt, wird auf Bio-Kraftstoffe verzichten, die zwar den CO2-Gehalt reduzieren, jedoch den Hunger in der Welt fördern, damit den sozialen Frieden und in letzter Konsequenz Menschenleben kosten. Der Mythos, dass man der Menschheit hiermit etwas Gutes tut, ist falsch. Daher ein klares Plädoyer an Dich, lieber Brotfreund: Teller statt Tank!

Prognose der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), siehe z.B. http://goo.gl/Rsn05X (abgerufen am 11.5.14)

Quelle: Deutscher Bauernverband, u.a. hier zitiert: http://goo.gl/BydmVz (abgerufen am 18.05.2014)

Pressemitteilung Nr. 252 vom 30.7.2013 des Statistischen Bundesamtes, siehe https://goo.gl/zdJxq4 (abgerufen am 11.5.14).

Zahl aus dem Süddeutsche Zeitung Magazin 48/2012 im Vergleich zu Zahlen aus dem Jahr 2013, u.a. hier: energiepflanzen.fnr.de/service/pressecenter/presse/aktuelle-nachricht/archive/2013/september/article/anbau-nachwachsender-rohstoffe-2013-auf-2,4-millionen-hektar (abgerufen am 18.05.2014