Zum Thema Brotreise, 19. Feb 2017

Bäckereien in Tokio und Einblicke in den japanischen Backwarenmarkt

In diesem Blogbeitrag möchte ich Euch von einer beruflichen Reise nach Tokio im Februar 2017 berichten, gerne auch als Empfehlung für jene, die ebenfalls dorthin reisen möchten. Wer z.B. eine Trendtour nach Japan plant, findet hier viele Anregungen zu Bäckereien in Tokio (Tokyo). Bitte erlaubt, dass ich dabei von allgemeinen Erfahrungen aus- und dann auf unsere Branche eingehe. Insofern fällt der Beitrag deutlich länger aus als jeder andere im Blog. Es wird ja niemand gezwungen, ihn komplett zu lesen ;-) Die Shortlinks hier helfen, direkt zum gewünschten Kapitel zu springen. Wer noch nicht in Japan war, dem öffnet sich eine neue Welt. Versprochen…

Kapitel

  1. Tokio: die größte Metropole der Welt
  2. Japan: vom Reisland zum Brotland
  3. Eine andere Welt, auch beim Essen
  4. Deutsches Brot mit schlechtem Image: „hart und sauer“
  5. Der japanische Backwarenmarkt: industriell dominiert
  6. Handwerkliche Bäckereien in Tokio: leider die Ausnahme
  7. Andersen: eine der erfolgreichsten Bäckereien in Japan
  8. Brotheim: Deutsche Backwaren in Tokio
  9. Daisy: erfolgreichste Handwerksbäckerei Japans
  10. Eine Bitte zum Schluss

Tokio: die größte Metropole der Welt

Tokio ist mit den zahlreichen angrenzenden Städten – die vom Namen her bekannteste ist Yokohama – nahtlos zusammengewachsen und bildet so die größte Metropolregion der Welt, mit rund 38 Millionen Einwohnern. Ziel der Reise war das NKS Japan Cake and Confection College, wo ich mit Robert Schorp aus unserem Fachlehrerteam die Deutsche Backkunst in Theorie und Praxis vermittelt habe. Auch das Japan Institute of Baking (JIB) wurde besucht. Zuletzt waren wir im Jahr 2008 vor Ort.

Nachdem wir seinerzeit auf dem Airport Tokyo Narita gelandet sind, der sich im Osten der Stadt befindet und näher am JIB liegt, war diesmal der Airport Tokyo Haneda das Einfallstor zur Stadt: der weltweit viertgrößte Airport. Dieser Blogbeitrag entstand maßgeblich am Gate und beim Rückflug, welcher trotz Direktflug über 11 Stunden dauerte – was auch die Länge des Beitrags erklärt ;-) Aufgrund der großen Zeitverschiebung von 8 Stunden (als ich einmal im Büro anrief, hatten das Team dort morgens gerade angefangen und in Tokio wurde es so langsam wieder dunkel) sind wir nach der Uhr aber „nur“ ca. 4 Stunden später gelandet.

Dass es sich in Japan um eine gänzlich andere Welt handelt, zeigt sich in vielen Details und an unzähligen Stellen. So trugen etwa die Hälfte der Menschen im öffentlichen Raum weiße Masken vor Mund und Nase, um sich und andere vor Ansteckung zu schützen. Es gibt Linksverkehr und eine wirklich hervorragende Infrastruktur: die S-Bahn kommt alle 3-4 Minuten und stets auf die Sekunde pünktlich! Interessant sind auch die japanischen Toiletten: wahre Hightech-Produkte mit zahlreichen Funktionen, sehr komplexer Steuerung (in japanischen Schriftzeichen – ausprobieren macht Spaß) und stets beheizten Sitzen. Doch legen wir den Schwerpunkt lieber auf den Anfang der Nahrungskette :-)

Tokio: die größte Metropole der Welt

Tokio: die größte Metropole der Welt

Tokio: die größte Metropole der Welt

Tokio: die größte Metropole der Welt

Japan: vom Reisland zum Brotland

Reis ist das traditionelle Getreide Japans. Das Wort für Reis (gohan) wird auch für Essen im allgemeinen benutzt, woran man die Bedeutung dieses Grundnahrungsmittels erkennt. Das Brot kam im 16. Jahrhundert mit jesuitischen Missionaren aus Portugal nach Japan. Das japanische Wort für Brot („Pan“) ist ein Überbleibsel aus der portugiesischen Sprache. Nach dem 2. Weltkrieg kamen Backwaren aus Nordamerika wie z.B. Toastbrot hinzu, später auch französische. Typisch deutsche Backwaren haben in Japan leider nur eine sehr geringe Marktbedeutung und sind dem Endverbraucher kaum bekannt, dazu später mehr. Maßgebliche Backwaren im Markt sind die japanischen Melonpan, Cremepan, Anpan und Kashipan, hinzu kommen typisch französische Backwaren wie Baguette und Croissant. Wie man hört, soll die japanische Regierung mit dem steigenden Konsum von Backwaren nicht sehr glücklich sein, weil fast der gesamte Weizen importiert werden muss.

Nach Angaben der Fa. Tsukishima Foods, die wir kurz besucht haben, essen Japaner inzwischen mehr Brot als Reis. Genannt wurde ein Verhältnis von 54 % zu 46 %. Hierbei sollen die eher traditionell orientierten Einwohner von Kyoto nach Erkenntnissen aus deren Marktforschung eine Hochburg der „Brotesser“ sein. Im Schnitt werden in Japan aber nur 2.500 japanische Yen (umgerechnet rund 20 Euro) pro Person und Monat für Brot ausgegeben, was zeigt, dass noch etwas Luft nach oben ist, übrigens auch in Sachen Brotqualität. Hier gibt es noch viele Chancen für mutige Bäckermeister/innen. Sollte sich jemand berufen fühlen, diese zu nutzen, kann ich ihm oder ihr gerne weitere Informationen geben.

Tsukishima produziert maßgeblich Margarine, betreibt aber auch eine personell wie maschinell exzellent ausgestattete Versuchsbäckerei, die Produktentwicklungen für ihre Kunden betreibt. Hier durfte ich einige „Dauerbrenner“ aus dem Japanischen Backwarenmarkt – genannt sei nur das allgegenwärtige Melonenbrot und Steam Cake, welches im Dampf gebacken wird – ebenso probieren wie einige Neuentwicklungen. Spannend! Weil Butter in Japan sehr teuer ist, hat Tsukishima übrigens gerade eine Margarine entwickelt, die nahezu gleich schmeckt, aber nur ein Drittel kostet. Bei den Butterpreisen in Europa sind derlei Kunstgriffe m.E. jedoch nicht notwendig.

Japan – vom Reisland zum Brotland

Eine andere Welt, auch beim Essen

Mein Kollege und ich waren in der Woche des Aufenthalts mehrfach zu typisch japanischen Essen eingeladen, die stets aus mehreren Gängen bestanden, aber unterschiedliche Ausprägungen hatten. So gibt es natürlich viele Sushi-Restaurants, wobei das japanische Original viel unterschiedlichere rohe Fische kennt und der Anteil von Fisch zu Reis weitaus größer ist. Ferner sind Tempura-Restaurants typisch, bei dem nach den unweigerlichen Sashimi-Vorspeisen (roher Fisch) die Hauptgänge frittiert wurden, zuweilen in offenen Küchen vor den Augen der Gäste.

Auch „Shabu Shabu“ war eine spannende Erfahrung, eine Art japanisches Fondue. In der Mitte des Tisches werden hierbei Herdplatten gestellt, darauf Töpfe mit verschieden gewürzten, heißen Brühen. Mit den allgegenwärtigen Stäbchen – wer diese Technik nicht beherrscht, hat keine Chance, in Japan zurecht zu kommen – wurden verschiedene Gemüse und hauchdünn geschnittenes Fleisch getaucht, bis sie gar waren. „Shabu Shabu“ steht für das Hin- und Herschwenken der Speisen in der Brühe. Dass alle sich die Stäbchen oft mit Häppchen in den Mund stecken und hierher wieder in die gemeinsame Brühe tauchen, sollte angesichts deren Temperatur kein Problem sein. In einem anderen Restaurant war eine heiße Grillplatte in den Tisch eingelassen und die Gäste haben dort selbst gegrillt, nachdem sie je nach Wahl Gemüse, Shrimps oder Fleisch zuvor mit etwas Ei und Mehl gemischt und auf der Grillplatte selbst zu einer Art Burger-Pattie geformt und gebraten haben. Eine sehr kommunikative, unterhaltsame Form des gemeinsamen Essens. Warum gibt es so etwas eigentlich nicht in Deutschland?

Insgesamt ist die Vielfalt an Speisen in Japan deutlich höher als hierzulande, mit starkem Schwerpunkt auf Fische und Meeresfrüchte. Offen gesagt bin ich persönlich kein großer Freund von Seefood und musste häufig über den eigenen Schatten springen (Fische werden z.T. mit Kopf und Schwanz und frittierte Langusten außerdem auch mit den harten Bärtchen gegessen), um die Gastgeber nicht zu beleidigen, empfand dies aber als spannende und bereichernde Erfahrung. In bester Erinnerung ist mir das feinmarmorierte Wagyu-Beef geblieben, das in Japan weniger teuer ist als bei uns und daher allgegenwärtig erschien.

Die meisten besuchten Restaurants hätten wir als Touristen wohl nie gefunden, weil die Schrift außen ausschließlich aus japanischen Schriftzeichen bestand, ebenso wie die Speisekarten. Weder die Speisen noch die Preise hierfür waren für uns zu lesen, wie das Bildbeispiel zeigt. Man sieht von außen oft nicht einmal, dass es sich um ein Restaurant handelt, demzufolge kenne ich bis heute nicht deren Namen. Jene Restaurants, die sich im Umfeld großer Hotels befinden und dementsprechend auf Touristen eingestellt sind, sollen dem Vernehmen nach weniger Original und deutlich teurer sein. Hilfreich ist, dass bei jenen Restaurants alle angebotenen Speisen hochkant im Schaufenster stehen, aus Wachs oder Kunststoff und überraschend authentisch nachgebildet. Dies vermittelt einen guten Eindruck davon, was man später bekommt und erleichtert durch Draufzeigen auch die Bestellung. Ach ja: bei all diesen Einladungen war kein einziges Mal Brot auf dem Tisch…

Eine andere Welt, auch beim Essen

Eine andere Welt, auch beim Essen

Eine andere Welt, auch beim Essen

Eine andere Welt, auch beim Essen
Eine andere Welt, auch beim Essen

Eine andere Welt, auch beim Essen

Deutsches Brot mit schlechtem Image: „hart und sauer“

Wie bereits geschildert, haben typisch deutsche Backwaren vor Ort nahezu keine Marktbedeutung. Die meisten Japaner kennen derlei nicht. Allerdings hat sich in Japan vor 10 Jahren der Verein „Versammlung Weiterbildung für deutsche Brote und Kuchen“ gegründet, deren Vorsitzender Herr Hirokazu Kurata uns zum Jubiläum zu einem Seminar eingeladen hatte – der Grund unseres Besuchs. Herr Kurata ist nach eigener Aussage der erfolgreichste Handwerksbäcker Japans (dazu später mehr), stets gut drauf und ein überzeugter Fan von deutschem Brot. Ich kenne ihn schon viele Jahre, auch weil er mehrfach mit japanischen Gruppen in Weinheim und bei internationalen Backwettbewerben präsent war. Einer seiner Mitarbeiter war erst vor zwei Wochen im japanischen Team der Sigep International Bread Competition in Rimini/Italien (eine der Weltmeisterschaften unserer Branche), die ich als Mitglied der internationalen Jury begleiten durfte.

Leider hat deutsches Brot in Japan das Image „hart und sauer“ zu sein. Nach Angaben von Hirokazu Kurata ist das deutsche Brot vor rund 30 Jahren zusammen mit dem französischen nach Japan gekommen, war seinerzeit aber stark roggenlastig und demzufolge sehr kompakt, mit dicker Kruste und kräftiger gesäuert. Kein Vergleich zu den locker-leichten Broten aus Frankreich. Ein Fehler! Man hätte damals wohl mit Weizen- und Weizenmischbroten starten sollen. Demzufolge haben sich französische Backwaren wie Baguettes, Croissant im Markt weit verbreitet und man findet vor Ort zahlreiche Bäckerei-Filialisten aus Frankreich und noch mehr, die sich französisch geben. Dazu gleich mehr.

Das Seminar selbst fand an unserer Partnerschule NKS Japan Cake und Confection College statt, die auch Bäcker ausbildet und regelmäßig mit Schülergruppen nach Weinheim kommt. Deren Direktor Herr Akita ist mit seinen 72 Jahren noch immer hochengagiert und tut dies auch im Vorstand des Vereins. Zu den 110 sehr interessierten Teilnehmern unseres Seminars gehörten auch 40 Bäckerschüler und 8 Journalisten. Nachdem ich in Weinheim aufgrund vieler anderer Aufgaben nur sehr selten dazu komme, Hand an den Teig zu legen, machte es mir großen Spaß, nach einer kurzen Präsentation über unser Haus und den deutschen Backwarenmarkt wieder einmal aktiv schöne Brote in verschiedenen, auch kunstvollen Formen sowie Stollen zu backen. Nichts verlernt ;-) Das Teamplay mit meinem Kollegen Robert Schorp war ausgezeichnet und gemeinsam haben wir die Teilnehmer sehr begeistern können, wie die zahllosen Rückfragen nach dem Seminar unterstrichen. Schwerpunkt des Interesses war dabei der Sauerteig.

Unserer zweiten Partnerschule in Tokio, das von Herrn Dr. Inoue geleitete Japan Institute of Baking, wo wir Jahr 2008 ein dreitägiges Seminar durchgeführt hatten, konnten wir ebenfalls einen Besuch abstatten und bei einem Meeting gemeinsame Pläne schmieden.

Deutsches Brot mit schlechtem Image: „hart und sauer“

Deutsches Brot mit schlechtem Image: „hart und sauer“

Deutsches Brot mit schlechtem Image: „hart und sauer“
Deutsches Brot mit schlechtem Image: „hart und sauer“

Deutsches Brot mit schlechtem Image: „hart und sauer“

Der japanische Backwarenmarkt: industriell dominiert

Im Gegensatz zu Deutschland, wo das Bäckerhandwerk einen hohen Stellenwert genießt und viele große, oft noch familiengeführten Bäckereien, kräftig expandieren, ist der Backwarenmarkt in Tokio und ganz Japan eindeutig industriell dominiert. Die Fa. Yamazaki, mit umgerechnet 7,5 Milliarden Euro Umsatz zweitgrößter Backwarenproduzent weltweit, hat mit (je nach Quelle) 60 – 70 % Marktanteil in Japan nahezu ein Monopol. Yamazaki ist in vielen weiteren Ländern aktiv und mit über 100 weiteren Backwarenherstellern auch Miteigentümer des Japan Institut of Baking. In Kursen, die stets 100 Tage dauern, erlernen japanische Bäcker mit ein paar Jahren Berufserfahrung dort die wichtigsten Skills der Backwarenproduktion, bevor sie wieder zu ihren Unternehmen zurückkehren.

Der japanische Backwarenmarkt ist industriell dominiert

Der japanische Backwarenmarkt ist industriell dominiert

Der japanische Backwarenmarkt ist industriell dominiert

Der japanische Backwarenmarkt ist industriell dominiert

Handwerkliche Bäckereien in Tokio: leider die Ausnahme

In Japan eine Bäckerei zu eröffnen, ist (für Japaner) sehr einfach. Zugangsbeschränkungen wie z.B. eine Ausbildung oder gar einen Meisterbrief wie in Deutschland gibt es nicht. Dennoch sind im Stadtbild nur sehr, sehr wenige Bäckereien zu finden. Man findet sie eher in den Einkaufszentren, dort stets dann auch die gleichen Marken.

Im Stadtteil Futako Tamagawa des riesigen Stadtbezirks Setagaya, wo sich neben besagter Schule auch unser Hotel befand, hat die Firma Tokyu (großer privater Bahnbetreiber in Japan) einen neuen, riesigen Shoppingkomplex namens „Rise“ gebaut. Dieser besteht aus mehreren durch Straßen und einer Art Fußgängerzone getrennten Gebäuden, in denen sich jeweils ein riesiges Einkaufscenter westlichen Standards befindet. Wer immer noch glaubt, dass Asien Europa in der Entwicklung hinterherhinkt, sollte sich das anschauen – hier wirkt dies umgekehrt. Man findet dort leider auch die gleichen Marken wie überall auf der Welt: McDonalds, KFC, Starbucks, H&M, Louis Vuitton usw. Die Einkaufswelt wird zunehmend monotoner!

In zweien der Gebäude befindet sich im Untergeschoss jeweils eine hochspannende Tokyu Food Show (Link führt zu einem externen Video). Dabei handelt es sich um eine Art unterirdisches Food-Paradies, vergleichbar mit der Feinkostabteilung im KaDeWe in Berlin oder Harrods in London. Mit dem Unterschied, dass die Vielfalt der Speisen weitaus größer und neben allen gängigen europäischen auch vielerlei asiatische Spezialitäten bietet.

In den Tokyu Foodshow im Stadtteil Satagaya (es gibt weitere, u.a. im Stadtteil Shibuya) finden sich auch Outlets der Bäckereien Paul, Fouchon und Les Deux Magots aus Frankreich, zudem lokale Anbieter wie Saint Germain, R Baker, La Terre Bio oder Signifiant Signifié, die sich französisch geben. Deutsche Bäckereien oder deutsche Backwaren? Fehlanzeige! Angesichts dessen, dass unser bewusst mildes Weizenmischbrot 80/20 die Teilnehmer des Seminars bei der Verkostung ebenso begeisterte wie andere deutsche Spezialitäten, ist hier noch sehr viel Markt…

Handwerkliche Bäckereien in Tokio

Handwerkliche Bäckereien in Tokio

Handwerkliche Bäckereien in Tokio

Handwerkliche Bäckereien in Tokio
Handwerkliche Bäckereien in Tokio

Handwerkliche Bäckereien in Tokio

Handwerkliche Bäckereien in Tokio

Andersen: ein großer Player im Backwarenmarkt

In besagten Einkaufszentren befand sich jeweils auch eine sehr gut gemachte Filiale der Andersen Group, die mit umgerechnet über 500 Millionen Euro Umsatz zu den großen Playern im japanischen Backwarenmarkt gehört und u.a. Bäckereifilialen betreibt. Der Name soll vom dänischen Dichter Hans Christian Andersen inspiriert worden sein. Wir, das Team der Bundesakademie Weinheim, sind stolz darauf, seit vielen Jahren deren Fortbildungspartner zu sein. Wer in der handwerklichen Schiene von Anderson eine gewisse Hierachie-Stufe erreichen möchte, muss zuvor nach Weinheim, schon seit vielen Jahren. Dies wird stets ergänzt um einen Aufenthalt an unserer Partnerschule in Frankreich und ein mehrwöchiges Praktikum in einer deutschen Bäckerei.

Andersen gehört zu den wohl erfolgreichsten Bäckereien in Tokio und in Japan. Im Marktauftritt und in den Produkten präsentiert sich die Bäckerei französisch, ergänzt um typisch japanische Backwaren wie Melonenbrot oder Steamcake. Diese sind in aller Regel gesüßt. Auch eine Art Rosinenbrötchen und Schokobrötchen sind zu finden.

Andersen, Top-Bäckerei in Japan

Andersen, Top-Bäckerei in Japan

Andersen, Top-Bäckerei in Japan

Andersen, Top-Bäckerei in Japan

Brotheim: Deutsche Bäckerei in Tokio

Schon seit 30 Jahren (Gründung 1987) betreibt der sympathische Bäcker Katsuhiko Akashi sehr erfolgreich eine deutsche Bäckerei mit Café und bildet damit eine der wenigen Ausnahmen in Tokio. Die Bäckerei heißt „Brotheim“ – deutsch geschrieben. Das Café nebenan nennt sich „Kaffee Seebach“ und empfängt die Besucher mit holzvertäfelten Wänden, Bildern und Souvenirs aus Deutschland sowie klassischer Musik. Herr Akashi ist Fan von Johann Sebastian Bach.

Das Sortiment von Brotheim ist hinsichtlich Auswahl und Qualität vergleichbar mit einer deutschen Bäckerei, von der Kaisersemmel über Brezel, Roggenmischbrote bis zum Vollkornbrot, dessen Getreide er im Keller selbst mahlt. Die Preise der Produkte sind ungefähr doppelt so hoch wie in Deutschland (die Kaisersemmel kostete umgerechnet 70 Cent), was aber durch den ohnehin höheren Preis in Tokio und die hohe Qualität gerechtfertigt wird. Brotheim ist natürlich eine Pilgerstätte für Deutsche in Tokio, jedoch auch bei japanischen Kunden sehr beliebt. Während unseres etwa einstündigen Besuchs dort waren im Laden stets nur Japaner zu sehen.

Produziert wird in einer sehr engen, aber gut strukturierten Backstube gleich hinter dem Laden. Manche der Rezepte sind von früheren Seminarbesuchen in Weinheim inspiriert. Herr Akashi versteht es auch, sein Team zu binden. Unmittelbar vor unserem Besuch war die Bäckerei drei Tage lang geschlossen und das Team gemeinsam im Skiurlaub. Neben Brotheim gibt es noch wenige weitere deutsche Bäckereien im Raum Tokio, wie hier beschrieben wird.

Brotheim: Deutsche Backwaren in Tokio

Brotheim: Deutsche Backwaren in Tokio

Brotheim: Deutsche Backwaren in Tokio

Brotheim: Deutsche Backwaren in Tokio

Daisy: eine der erfolgreichen Handwerksbäckereien Japans

Die Bäckerei Daisy des oben erwähnten Hirokazu Kurata gehört dem Vernehmen nach zu den erfolgreichen handwerklichen Bäckereien in Japan. Sie liegt in Kawaguchi-City, einer Stadt nördlich von Tokio, die aber wie viele andere umliegende Städte auch längst nahtlos mit der Metropole zusammengewachsen ist, die sich daher wie eine einzige gigantische Stadt anfühlt.

Jedes der zwei Geschäfte, die wir besucht haben, macht nach seinen Angaben 300 Millionen Yen Jahresumsatz (umgerechnet 2,5 Millionen Euro!) und es gibt noch vier andere Standorte, alle im Umkreis von 10 km um den Hauptsitz. Weitere sollen bald hinzukommen. Die Bäckerei beliefert auch den Handel.

Daisy wurde von Herrn Kuratas Großvater im Jahr 1962 gegründet und beschäftigt etwas über 100 Mitarbeiter. Es gibt eine zentrale Produktion für Toastbrote und das Liefergeschäft, doch hinter jedem Laden befindet sich nochmals eine größere Backstube, in der frisch produziert wird. Interessant ist u.a. ein großer, gemauerter spanischer Backofen in der Produktion, in der besondere Spezialitäten gebacken werden.

Das Sortiment von Daisy ist (wie auch der Firmenname) französisch inspiriert und umfasst eine breite Auswahl aus Bäckerei und Konditorei. Passende Hintergrundmusik wie z.B. Musette-Walzer untermalen das Flair. In einer der Filialen betreibt Daisy auch eine Pizzeria im Obergeschoss. Dort gibt Herr Kurata auch Kundenseminare, etwa zum Thema Brot und Käse. Der Betrieb ist definitiv einen Besuch wert!

Daisy: erfolgreichste Handwerksbäckerei Japans

Daisy: erfolgreichste Handwerksbäckerei Japans

Daisy: erfolgreichste Handwerksbäckerei Japans

Daisy: erfolgreichste Handwerksbäckerei Japans
Daisy: erfolgreichste Handwerksbäckerei Japans

Daisy: erfolgreichste Handwerksbäckerei Japans

Daisy: erfolgreichste Handwerksbäckerei Japans
Daisy: erfolgreichste Handwerksbäckerei JapansDaisy: erfolgreichste Handwerksbäckerei Japans

Daisy: erfolgreichste Handwerksbäckerei Japans

Daisy: erfolgreichste Handwerksbäckerei Japans

Eine Bitte zum Schluss

Wie ihr merkt, gebe ich in diesem Bericht zahlreiche Insidertipps und wichtige Hinweise für Bäckereien in Tokio (Tokyo) und den Backwarenmarkt in Japan. Weil das Leben aus „geben und nehmen“ besteht, freue ich mich über Hinweise, wenn diese genutzt werden sowie weitere Tipps. Im persönlichen Dialog bin ich gerne bereit, noch ein paar Tipps „drauf zu legen“, für die dieser Blogbeitrag trotz seiner Länge nicht ausgereicht hat. Schreibt mir einfach eine E-Mail. Über Kommentare freue ich mich ebenfalls.

Insgesamt kann ein Besuch in Tokio trotz langer An- und Abreise nur empfohlen werden. Auf der japanischen Hauptinsel, noch hinter Russland und China im pazifischen Ozean gelegen, öffnet sich eine neue Welt, auch in Sachen Brotkultur.