Zum Thema Brotreise, 09. Jul 2017

Frühstück im Hotel Roomers Baden-Baden

„Frühstücke wie ein Kaiser“ – das Designhotel Roomers Baden-Baden kommt diesem Anspruch schon sehr nahe. Ein Erfahrungsbericht.

Roomers Baden-Baden: außergewöhnliches Designhotel

Die Kurstadt Baden-Baden am Rande des Schwarzwaldes war früher ein international bedeutsamer Treffpunkt von Adligen und sehr wohlhabenden Bürgern, bietet aber auch heute noch vielerlei Reize, darunter immer wieder kulturelle Anlässe für einen Kurzbesuch am Wochenende. Beim letzten Besuch im Juli 2017 wurden meine Frau und ich von einer Neuentdeckung angenehm überrascht: das erst im Herbst 2016 eröffnete Designhotel Roomers Baden-Baden, das zur Marriott Hotelgruppe gehört. Das Roomers besticht durch sehr großzügige Räume in stylischem Design und einem gehobenen Ambiente, vom Eingangsbereich (Foto oben) bis zur Rooftop-Bar mit Infinity-Pool und damit ein zeitgemäßes Statement gegen die ehrwürdigen Grandhotels der Kurstadt, die durch den neuen Wettbewerber z.T. aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden dürften. Vom Frühstück im Roomers Baden-Baden möchte ich hier gerne berichten.

Frühstücken im Roomers Baden-Baden

Geradlinige, großzügige und sehr hohe Räumlichkeiten, welche sich nach der Frühstückszeit zum Restaurant „Moriki“ mit Suhsi und Co wandeln, bieten ein asiatisch geprägtes Wohlfühlambiente, wozu auch ein elegant gestalteter Außensitz-Bereich gehört. Die Präsentation der verschiedenen Frühstücksspeisen am Buffet ist zwar ingesamt überschaubar, es herrscht kein „Warendruck“, doch die Vielfalt ist ausreichend und es wird immer frisch nachgelegt. Selbst Austern liegen im Roomers Baden-Baden am Frühstücksbuffet gekühlt bereit und neben dem prickelnden Crément bietet der Eiskühler am Buffet auch eine Flasche Wodka. Für russische Gäste? Austern und Wodka zum Frühstück – das ist schon etwas Besonderes und bleibt hängen, auch wenn wir hier nicht zugegriffen haben.

Auf der Bartheke des Restaurants, jetzt Frühstücksbuffet, gab es verschiedene Säfte in sehr guter Qualität, da ausschließlich frisch gepresst. Angesichts sehr sommerlicher Temperaturen standen neben dem obligatorischen Mineralwasser auch große Behälter mit aromatisiertem Wasser bereits, unter anderem ein sehr erfrischendes mit Lemon, Orange, Zitrone und Zitronengras, welches aber etwas kälter hätte sein können. Bei den Speisen gab es eine ausreichende Auswahl an Wurst, Schinken und Käse, verschiedene Antipasti, etwas Tomatensalat mit Mozzarella (Caprese), Müslis, die üblichen Warmspeisen für ein britisches Frühstück und manches mehr. Trotz insgesamt überschaubarer Auswahl findet jeder Frühstücksgast im Roomers Baden-Baden, was er sucht.

Unterschiede im Detail

Erfahrungsgemäß zeigen sich die Unterschiede in den Details, z.B. bei den Eierspeisen. Auch im gehobenen Hotelsegment bieten nur die allerbesten Häuser ihren Gästen zum Frühstück neben Omelett und Co auch Egg Benedict an. Das Roomers gehört dazu: dicker Pluspunkt! Die Sauce Hollandaise auf dem Schinken war hierbei aber offenbar nicht selbst gemacht. Dies galt nach meinem Eindruck auch für die leider unbeschrifteten Marmeladen. Die letzte Spur Konsequenz fehlte also noch. Dies machte das junge Team im Service jedoch wett, welches gut geschult und und in der Folge flott und sehr freundlich war. Die Restaurantleiterin lobte eine sichtlich stolze Mitarbeiterin in unserem Beisein für deren Aufmerksamkeit und die Stimmung im Team war entsprechend gut.

Frühstück in Top-Hotels: die Schattenseite

Die größte Schwäche beim Frühstück – selbst vieler guter Häuser – sind ausgerechnet die preisgünstigsten Lebensmittel am Buffet: Brot und Brötchen. Leider gibt es im Land des Brotes (die Deutsche Brotkultur wurde 2014 bekanntlich von der Deutschen UNESCO-Kommission zum immateriellen Kulturerbe unseres Landes geadelt) viel zu selten gute Bäckerbrötchen und -brote zum Hotelfrühstück. Stattdessen wir dem Gast zumeist anonyme Frosterware zugemutet, in der Regel vor vielen Stunden unfachmännisch aufgebacken und entsprechend trocken. Es ist ein Jammer! Na klar: die Aufbackware ist billiger und im Handling bequemer, doch nur auf den ersten Blick. Nicht nur, dass kaum jemand den Personal- und Energieaufwand für das Lagern und Aufbacken kalkuliert. Die nach wochenlangem Transport- und Lagermarathon sowie dem „Nebenbei“-Aufbacken im Konvektomaten nicht selten minderwertige Backwarenqualität an vielen Hotel-Frühstücksbuffets führt letztlich nur dazu, dass die Gäste weniger zu Brot und Brötchen greifen und umso mehr zu den anderen bereitliegenden Alternativen. Jede einzelne davon ist teurer als Brot, was den günstigen Einkaufspreis der Aufbackware doch sehr relativiert! Man fragt sich ohnehin, ob bei Zimmerpreisen von mehreren hundert Euro pro Nacht und bei Spitzenhotels üblichen Frühstückspreisen jenseits der 30 Euro pro Person ausgerechnet am Brötcheneinkauf gespart werden muss. Gäste wie ich lassen sich derlei lieblose Ware längst nicht mehr gefallen. Sie verzichten auf das Frühstück oder finden um die Ecke eine Bäckerei, bei dem man für ein Viertel des Preises bestens frühstücken kann, mit ofenfrischen Brötchen.

Mit der Erwartungshaltung, dass uns auch hier die übliche TK-Einheitsware erwartet, wurden wir angenehm überrascht. Denn das Roomers Baden-Baden bildet im Backwarenbereich eine wirklich wohltuende Ausnahme, was gerade bei an Ketten angeschlossene Hotels so selten ist, dass ich mir die Mühe dieses Beitrags mache. Meine Erkenntnisse im Detail:

Das Brot im Roomers

1. Die Brotauswahl

Backwarenauswahl und -menge im Roomers Baden-Baden waren zwar nicht üppig (siehe Foto unten), aber vollkommen ok: verschiedene Brötchen und Brote, auch mit Vollkorn, die obligatorischen Croissants, darüber hinaus auch Brioche und für süße Frühstücker etwas Sandkuchen und Nussstriezel. Hier findet jeder Gast etwas, das ihm schmeckt.

2. Die Brotpräsentation

Angesichts einer mengenmäßig überschaubarer Auswahl war die Warenpräsentation im Brotbereich nicht berauschend und kam an Hotels wie z.B. das Ritz Carlton in Berlin nicht heran. Das Brot lag im Roomers Baden-Baden zudem zum Selbstschneiden bereit, was „in“ ist und den vermeintlichen Vorteil bietet, dass dieses weniger schnell austrocknet. Zudem hat die Küche hiermit wenig Arbeit: hinlegen und fertig. Soweit die Theorie. Doch die Praxis zeigt, dass die meisten Gäste mit dem Schneiden von Ganzbrot überfordert sind, zumal die bereitliegenden Brotmesser aus Sicherheitsgründen selten so scharf sind, wie sie sein sollten. Von im Umgang mit Brot ungeschulten Gästen wird dieses meist heftig gedrückt statt geschnitten, nicht selten schräg. Die verschnittenen Scheiben bleiben meist auf oder neben dem Brett liegen und werden vom Service nur selten konsequent weggeräumt. Das Ergebnis ist zuweilen ein „Schlachtfeld“. Hinzu kommt, dass das Brot von den Gästen in der Regel nicht auf der Anschnittfläche gelagert wird – was sich immer empfiehlt – und die Krume daher oft antrocknet. Zuweilen wird das Brot von Gästen auch ohne die bereitliegende Serviette angefasst. Hier wären vorgeschnittene Scheiben aus meiner Sicht die bessere Alternative, wobei ich den genannten Umstand angesichts vieler positiver Eindrücke nicht überbewerten möchte, zu denen maßgeblich der folgende gehört…

3. Die Brotqualität

Man glaubt es kaum, doch das Roomers Baden-Baden kauft seine Brote und Brötchen tatsächlich noch beim örtlichen Bäcker! Sogar das Toastbrot! Eine wohltuende Ausnahme und ein klares Signal in Sachen Qualitätsbewusstsein – mein aufrichtiges Kompliment. Dementsprechend gut waren auch die von mir getesteten Produkte. Einziges Manko: der Gast erfährt am Buffet nichts hiervon. Hier würde ich mir ein kleines Schild wünschen, in dem der Bäcker kurz in Wort und Bild vorgestellt wird, als emotionales Signal einer Transparenz, die jeden Gast begeistern würde. Mancher davon würde umso beherzter zugreifen, wenn er wüsste, wer nachts für ihn gebacken hat und dass er hier eben nicht die übliche Aufbackware bekommt, sondern echte Bäckerqualität aus regionalen Kreisläufen. Ich selbst habe erst auf Nachfrage erfahren, wo das Brot gekauft wurde – und mir dies auch vom genannten Bäcker bestätigen lassen. Respekt, Roomers!

Fazit

Das Frühstück im sehr liebevoll geführten Designhotel Roomers Baden-Baden liegt nicht zuletzt aufgrund der Backwarenqualität auch innerhalb der 5-Sterne-Kategorie über dem Durchschnitt. Den Frühstückspreis von 32 Euro pro Person empfinde ich zwar als grenzwertig, doch wer keinen Umweg zum Bäcker machen möchte oder den Hotelaufenthalt in Baden-Baden als Gesamterlebnis versteht, wird hier gewiss nicht enttäuscht. Eine klare Empfehlung.

Frühstück im Hotel Roomers Baden-Baden