Zum Thema Brotkultur, 18. Aug 2015

Brot in den Religionen

Beitrag über ein Brot, das unsterblich macht und göttliche Strafen auf „Brotfrevel“…

Brot war in frühen Zeiten ein Symbol der Götter. So huldigten die Griechen der Göttin Demeter, zuständig für Ackerbau und Fruchtbarkeit. Dem Mythos zufolge soll sie den Menschen den Getreidebau und das Brotbacken beigebracht haben. Ihr römisches Pendant wird Ceres genannt. Von dem Namen der Göttin Ceres wurde das Wort „Cerealien“ abgeleitet. Bei den Germanen war Freyr der Gott der Saat, Ernte und Fruchtbarkeit sowie des Friedens.

Viele Völker glaubten früher an ein „Brot des Lebens“, das Unsterblichkeit verleiht. Die Griechen nannten dieses Brot „Ambrosia“, die Juden erwähnten das Brot des Lebens bereits in der Zeit der babylonischen Gefangenschaft, rund 550 Jahre vor Christus. So war es für die Menschen nichts Neues mehr, als Jesus später von einem Brot sprach, das Unsterblichkeit verleiht. Für die damalige Zeit skandalös war allerdings der Ansatz, sich selbst als Brot des Lebens zu bezeichnen und zu behaupten, dass dieses den Leib Christi symbolisiert (Bibel, Johannes, 6,35: „Ich bin das Brot des Lebens“).

Zu religiösen Feierlichkeiten wurden früher spezielle Gebildbrote gebacken. Das bekannteste davon ist der Christstollen, der hinsichtlich Form und Oberfläche eine Versinnbildlichung des in Windeln liegenden Jesuskindes darstellt und früher ein magereres Fastengebäck für das christliche Adventsfasten war. Er durfte seinerzeit nur aus Hafer, Wasser und Rübenöl gebacken werden. Für jüdische Gläubige spielt ungesäuertes Fladenbrot, die sogenannte Mazzen, noch heute eine Rolle beim Passahfest, als Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Die Bibel begründet dies damit, dass bei der eiligen Flucht keine Zeit für die Säuerung des Teiges blieb.

Frühere Generationen haben jedes Brot vor dem Anschnitt bekreuzigt. Am Weihnachtstag auf die Schwelle gelegtem Brot wurde eine Schutzfunktion für das Haus nachgesagt. Das Brot, das vom ersten Mehl aus neuer Ernte gebacken wurde, sollte als „Glücksbrot“ vor Hunger schützen. Oft wurde es den Armen gebracht. Und ein Brot unter dem Kopfkissen von Schwangeren versprach eine glückliche Geburt. Auch über Neugeborenen wurde Brot gebrochen, damit sie gut gedeihen.

Besonderen Respekt vor dem Brot zeigte sich auch im sogenannten „Heimatbrot“, das früher vor einer langen Wanderschaft gebacken wurde und das ausschließlich mit Tränen gesalzen war. Wer Brot auf den Rücken legte, dem drohte nach damaligem Glauben Unglück und noch heute ist das Fluchen in der Gegenwart von Brot bei manchen älteren Menschen kaum denkbar, während die Achtung vor dem Brot in den nachfolgenden Generationen rapide nachgelassen hat und bis heute oft ausbleibt. Der heutige, oft achtlose und verschwenderische Umgang mit Brot wurde noch im Mittelalter „Brotfrevel“ genannt, auf den eine göttliche Strafe stand.

Brot wird in vielen Religionen also keinesfalls nur als Speise dargestellt, sondern als etwa Göttliches. Der Theologe und Arzt Angelus Silesius (1624 – 1677) fasste den Glauben vieler Menschen an eine religiöse Bedeutung des Brotlaibes wie folgt zusammen: „Das Brot ernährt dich nicht. Was dich im Brote speist, ist Gottes ew´ges Wort, ist Leben und ist Geist.“ Und noch heute beten etwa 2,3 Milliarden Christen weltweit: „Unser täglich‘ Brot gibt uns heute“