Zum Thema Brotmarkt, 18. Aug 2015

Bäcker haben schreckliche Arbeitszeiten?

Klar: Bäcker müssen früh aufstehen. Nur komisch, dass sich so wenige Bäcker hierüber beschweren…

Es gibt kein Kinderbuch zu Bäckern und kein Gespräch über deren Beruf, das nicht zuerst das frühe Aufstehen thematisiert. Mehr noch: außer „früh aufstehen“ ist das Wissen über den Beruf des Bäckers erschreckend gering. Doch sind die Arbeitszeiten von Bäckern wirklich so schrecklich? Bringen wir etwas Licht ins Dunkel:

Die allermeisten Bäcker beginnen in der Tat nachts. Der Grund ist relativ einfach: Backen braucht eine Menge Zeit und der Kunde erwartet bereits am frühen Morgen eine große Auswahl. Hierzu fangen manche Bäcker bereits um Mitternacht mit ihrer Arbeit an, zuweilen sogar noch früher. Dies gilt aber längst nicht mehr durchgängig. Viele Teige werden schon am Vortag hergestellt und reifen kühl über Nacht, was auch der Qualität sehr dienlich ist. In größeren Betrieben gibt es zumeist verschiedene Schichten. Und welche davon ist wohl die unbeliebteste? Nach der Erfahrung des Autors ist dies die Tagschicht! Denn wer sich einmal an die Nachtarbeit gewöhnt hat, was in wenigen Wochen passiert, möchte diese nicht mehr missen.

Ein Bäcker kann jeden Tag seine Kinder aus der Schule abholen und den Nachmittag mit ihnen verbringen, während die meisten berufstätigen Väter erst nach Hause kommen, wenn die Kinder zu Bett gehen. Ein Bäcker kann wie jeder andere auch abends am Vereinsleben teilhaben, sofern er nach der Arbeit etwas Schlaf nachholt. Zudem: wer nachts arbeitet, bekommt steuerfreie Nachtzuschläge. Bei Lichte betrachtet ist die Arbeitszeit eines Bäckers also keinesfalls so schlimm, wie sie dargestellt wird. Der Mythos von der „schrecklichen Arbeitszeit“ ist also falsch. Jeder Schichtarbeiter hat weitaus schlimmere Arbeitszeiten zu beklagen, als der Bäcker, auch weil er sich im Gegensatz zu diesem nie an feste Arbeitszeiten gewöhnen kann.

Übrigens gibt es noch viele weitere gute Gründe für den Bäckerberuf, die kaum jemand kennt. So sind in Deutschland ausgebildete Bäcker weltweit gefragt. Diese können in jedem Land der Welt arbeiten, etwa in Spitzenhotels, Ferienclubs oder auf Kreuzfahrtschiffen. Zudem besteht heute in den meisten Bundesländern die Möglichkeit, mit dem Meisterbrief ohne Abitur zu studieren. Gerade für Studiengänge, die sich mit Ernährung beschäftigen, ist dies mehr als eine gute Alternative. Denn in der gleichen Zeit, in der man den klassischen Weg zum Abitur geht, kann man mit einem guten Haupt- oder Realschulabschluss auch eine handwerkliche Ausbildung zum Bäcker machen und durch Besuch einer Meisterschule Bäckermeister werden. Zum Studium bringt man dann Praxiswissen mit und kann in den Semesterferien oder am Wochenende als Meister arbeiten, statt für kleines Geld zu kellnern. Solche Akademiker mit Praxiserfahrung sind in der Wirtschaft sehr gefragt und machen oft Karriere.

Aufgrund der genannten Fakten muss sich kein fachlich guter Bäcker Sorgen um seine Existenz machen. Gebacken wird immer, dies zunehmend und in allen Ländern dieser Welt. Zudem: nirgendwo ist die Ausbildung zum Bäcker umfassender als in Deutschland.