Zum Thema Brotreise, 02. Sep 2015

Als Juror bei der Bäcker-Europameisterschaft

Höchstes Niveau beim Coupe Louis Lesaffre 2015 in Frankreich, aus Sicht eines Jurymitglieds…

Seit 1992 wird alle drei bis vier Jahre auf der Fachmesse Europain in Paris die Bäckerweltmeisterschaft „Coupe Du Monde“ aufgetragen, auf eine Initiative der französischen Bäckerlegende Christian Vabret hin. Der Wettbewerb wird durch die Fa. Lesaffre, als weltgrößter Produzent von Hefe, gesponsert. Als Qualifikation für die Weltmeisterschaft organisiert Lesaffre mit hohem Aufwand auf vier verschiedenen Kontinenten Vorentscheidungen unter der Bezeichnung „Coupe Louis Lesaffre“, benannt nach dem Gründer der Firma, die sich immer noch in Familienbesitz befindet. Je nach Kontinent qualifizieren sich dort 2 – 3 Teams für die Brotweltmeisterschaft in Paris. Dieser Beitrag hier handelt von der Kontinent-Qualifikation für Europa, welche Ende August 2015 in Lille/Frankreich stattfand.

Die von mir gecoachte Deutsche Bäckernationalmannschaft war hierbei vorgesehen, musste aber leider frühzeitig absagen, wegen mehrerer Ausfälle im Team. Insofern war ich als Fachmann unbefangen und daher in der engeren Wahl als Jurymitglied für Europa, die dann in der Tat auf mich fiel. Gemeinsam mit Carlos Pereira aus Peru (für Amerika), der jetzt in Las Vegas die Bäckerei Bon Breads betreibt sowie Haif Hakim aus Senegal von der Bäckerei Aux Fins Palais (für Afrika) und Starbäcker Pao-Chun Wu aus Taiwan (für Asien) durfte ich in dieser Funktion die Leistungen der 11 Nationalteams aus Belgien, Frankreich, Israel, Italien, Ungarn, Niederlande, Polen, Russland, Serbien, Spanien und Schweden bewerten, was mir große Freude bereitet hat.

Die Aufsicht über unsere Arbeit hatte Jurypräsident Pierre Zimmermann aus dem Elsass, der seit 3 Jahren die französische Bäckerei „La Fournette“ in Chicago betreibt. Der in Lille ansässige Sternekoch Christophe Hagnerelle ergänzte die Jury zeitweise, um einen gastronomischen Sonderpreis zu vergeben. Auch Starbäcker Christian Vabret ließ es sich nicht nehmen, dem Wettbewerb die ganze Zeit persönlich beizuwohnen.

Jedes Nationalteam war mit 3 Personen und einem Coach besetzt, wobei jeweils ein Teammitglied für Brote und Kleingebäcke, eines für Viennoiserie (süße Gebäcke, Plunder) inkl. gastronomischem Brot und der dritte für ein kunstvolles Schaustück aus Brot mit bis zu 1,60 m Höhe zuständig war. In den Wettbewerbsregeln waren dazu verschiedene Produkte vorgegeben, bei den Broten z.B. auch Injera: ein weiches, gesäuertes Teffmehl-Fladenbrot aus Äthiopien, welches ich zuvor nie gegessen hatte. Gut, dass mit Haif aus Afrika einen Experten hierzu im Juryteam hatten! Umgekehrt wurde ich selbst häufig nach den Qualitätskriterien von handgeformten Kaiserbrötchen, Roggenbroten und dergleichen gefragt. Natürlich waren auch typisch französische Backwaren wie z.B. Baguette, Croissant und Pain au Chocolat bei den gesetzten Produkten. Andere Backwaren wie z.B. Panettone, Kartoffelbrot, Cramique, Couronne Bordelaise oder Pan de Muerte wurden den Teams zugelost. Brotspezialitäten aus dem eigenen Herkunftsland bildeten jeweils die „Kür“, was für mich natürlich besonders spannend war, weil zum Wettbewerb die jeweils besten Bäcker des Landes kamen.

Die Wettbewerbszeit für die etwa zwei Dutzend verschiedenen Produkte betrug insgesamt 10 Stunden (2 Std. Vorbereitung + 8 Std. Wettbewerbszeit) und dementsprechend lang waren auch die Jurytage, zumal die jeweils drei Teams pro Tag zeitversetzt starteten. Hinzu kam ein eingebundener, separater Wettbewerb für jeweils einen jungen Bäcker (Young Hopeful Baker) aus jeder teilnehmenden Nation.

Am Ende der fünftätigen Wettkämpfe auf allerhöchstem Niveau wurden die Teams aus den Niederlande, Frankreich und Russland bei einer glanzvollen Gala im Casino von Lille verdient zum Sieger erklärt und als Qualifikanten für Europa zur Weltmeisterschaft geschickt. Bei den Jungbäckern teilten sich die Teilnehmerinnen aus den Niederlanden und Spanien die Trophäe, Schweden bekam den Sonderpreis des Gastronomen.

Besonders hervorzuheben ist – neben der exzellenten Organisation – die hohe Wertigkeit, die beim Coupe Louis Lesaffre jedem einzelnen teilnehmenden Bäcker zuteil wurde! Sei es durch erstklassige Profi-Fotos der Teams und Gebäcke, aufwändig erstellte Video-Portraits oder durch die sehr wertig gestaltete Präsentation vor der Jury mit Fanfare und mehr. Wer sich die Wettkämpfe, die Teams und deren (sehr sehenswerten!) Gebäcke anschauen möchte, findet unter www.louislesaffrecup-webtv.com kurze, gut gemachte Clips von jedem einzelnen Wettbewerbstag sowie unter der Bezeichnung „Greatest Baker Show“ eine Gesamtreportage des Wettbewerbs. Auch die dort verlinkte Facebook-Seite mit vielen Fotos lohnt einen Blick. Es ist für jeden Bäcker ein Fest, sich die tollen Teams, deren Emotionen und großartigen Gebäcke dort anzuschauen!

Mein Dank gilt der Fa. Lesaffre um CEO Antoine Baule, mit dem ich beim Gala-Dinner zum Abschluss sehr nett über die Bäckerwelt philosophiert habe, vor allem aber auch dem LLC-Organisationsteam mit Nadine Debail, Norbert Grouet, Nathalie Breuil und Marine Brunnel. Ich danke Pierre Zimmermann, Christan Vabret und meinen Jurykollegen Haif Hakim, Pao-Chun Wo, Carlos Pereira für den fachlichen Austausch auf sehr hohem Niveau. Es war mir eine Ehre und Freude, einen kleinen Teil zu diesem großartigen Wettbewerb beigetragen zu haben. Europa wird bei der Brotweltmeisterschaft Coupe Du Monde 2016 mit drei tollen Teams bestens vertreten sein!

BrotExperte als Juror bei der Bäcker-Europameisterschaft

BrotExperte als Juror bei der Bäcker-Europameisterschaft

BrotExperte als Juror bei der Bäcker-Europameisterschaft

BrotExperte als Juror bei der Bäcker-Europameisterschaft