Zum Thema Brotzutaten, 18. Aug 2018

Dumm wie Brot? Von wegen…

Man sagt langläufig „Dumm wie Brot“, doch unser Lebensmittel Nummer 1 ist weitaus komplexer als viele annehmen. Brot kann z.B. mehr als 500 verschiedene Aromen enthalten. Nun haben 200 Forscher aus 73 Einrichtungen in 20 Ländern die Weizengene entschlüsselt und festgestellt, dass es fünfmal mehr sind als bei uns Menschen

Weizen (Triticum aestivum L.) ist das weltweit am meisten verbreitete Getreide. Als polyploide, also mit mehr als zwei Chromosomensätzen versehene Pflanze enthält Weizen drei verschiedene Erbgutsätze mit je sieben doppelten Chromosomen, auf denen insgesamt fast 108 000 Gene zu Hause sind – fünfmal mehr als bei uns Menschen. Wir haben etwa 20.000 Gene.

Das Brotweizen-Genom hingegen ist eine komplexe Verknüpfung von ursprünglichen Ziegengras-Genen mit dem Doppelgenoms des Emmers, die durch massive Verdopplungen von Genabschnitten durch Kreuzungen und Hybridisierungen während der Artenentwicklung des Weizens entstanden ist. Die ältesten Typen des Weizens konnten dabei auf 7 Millionen Jahre zurückdatiert werden.

Lange Zeit galt diese hochkomplexe Genom als nicht entzifferbar, doch durch die Leistungen von 200 Forschern aus 73 Einrichtungen in 20 Ländern im International Wheat Genome Sequencing Consortium (IWGSC) konnte jetzt in der wissenschaftlichen Publikation Science die vollständige Entschlüsselung der Brotweizen-Gene gemeldet werden, angesichts des riesigen Genoms eine höchst respektable Leistung. In Deutschland war das Helmholzzentrum München beteiligt.

Ziel dieses Projekts ist eine gezieltere Züchtung, auch im Hinblick auf den Klimawandel, denn der Brotweizen trägt rund 20 % zur weltweiten Ernährung der Menschheit bei. Jede fünfte aufgenommene Kalorie weltweit kommt aus dem Weizen.